Hund aus dem Ausland adoptieren: die ersten Wochen zu Hause
Ankunftstag, Dekompression, Routine und Vertrauen: ein sanfter Plan für einen Tierschutzhund mit einem weiten Weg hinter sich.
Überall in Europa nehmen Familien einen Hund aus einem Tierheim oder Tierschutzverein in einem anderen Land auf. Vielleicht ist es ein Straßenhund aus dem Süden, der in ein neues Leben in Irland reist, oder ein Tierheimhund aus dem Osten, der zu einer Familie in Deutschland oder den Niederlanden zieht. Wie auch immer dein Hund ankommt, er hat eine lange Reise und viele Veränderungen hinter sich. In den ersten Wochen zu Hause geht es darum, ihm zu helfen, sich sicher zu fühlen, und dafür braucht es Ruhe, Geduld und einen einfachen Tagesablauf.
Damit ein Tierschutzhund aus dem Ausland gut ankommt, gib ihm ruhige Zeit zum Dekomprimieren: wenig Besuch, kurze ruhige Spaziergänge, eine sichere Höhle und jeden Tag denselben Ablauf. Rechne damit, dass er anfangs müde oder unsicher ist. Nutz ein ausbruchsicheres Geschirr und eine Hundemarke, geh in den ersten Wochen zum Tierarzt und bau Vertrauen langsam auf, mit Futter, Geduld und ruhigen Beschäftigungen wie einem gefrorenen Schleckspielzeug.
Was sollte ich vorbereiten, bevor mein Tierschutzhund ankommt?
Bereite dein Zuhause vor dem Ankunftstag vor, damit du deinem Hund deine volle Aufmerksamkeit schenken kannst, sobald er durch die Tür kommt.
- Eine sichere Höhle. Stell ein Bett oder eine offene Box in eine ruhige Ecke, weg von der Haustür und viel genutzten Wegen.
- Ausbruchsichere Ausrüstung. Ein gut sitzendes Geschirr plus ein Halsband mit Hundemarke. Wenn du die Leine anfangs an beidem befestigst, hast du eine Absicherung.
- Ein sicherer Garten. Prüf Zäune und Tore auf Lücken und denk daran, dass manche Hunde klettern oder graben können.
- Türschutzgitter. Damit hältst du Treppen und Haustür außer Reichweite.
- Dasselbe Futter. Frag den Tierschutzverein, was dein Hund bisher gefressen hat, und bleib in den ersten Tagen dabei.
- Informationen. Frag den Verein nach Vorgeschichte, Gesundheit, Gewohnheiten und bekannten Ängsten deines Hundes.
- Hausregeln. Legt als Familie fest, wo dein Hund schläft, welche Räume er nutzen darf und wer was übernimmt.
Was sollte ich am Ankunftstag tun?
Halte den Ankunftstag so ruhig und einfach wie möglich. Nach einer langen Reise sind viele Hunde erschöpft, durstig und müssen dringend raus. Fahr direkt nach Hause. Biete Wasser an und bring deinen Hund dann an der Leine in den Garten oder an ein ruhiges Fleckchen draußen. Zeig ihm danach seine Höhle und lass ihn ausruhen.
Verzichte auf eine Willkommensparty. Freunde und Familie können deinen Hund später kennenlernen. Lass deinen Hund zu dir kommen, statt nach ihm zu greifen, und biete eine kleine, einfache Mahlzeit an, sobald er sich ausgeruht hat. Ein Bad kann ein paar Tage warten, außer es ist wirklich nötig.
Was ist Dekompression, und wie lange dauert sie?
Dekompression ist die Zeit, die ein neuer Hund braucht, um sich auszuruhen, sein neues Leben aufzunehmen und zu zeigen, wer er wirklich ist. Bei manchen Hunden dauert das Tage, bei anderen Monate. Manche Hunde wirken anfangs sehr ruhig und brav, und ihr wahrer Charakter zeigt sich erst später. Das ist normal.
Die ersten Tage
- Viel Schlaf und sehr wenig sonst.
- Pipipausen im Garten oder an einem ruhigen Ort in der Nähe.
- Kein Besuch, keine Geschäfte, keine belebten Straßen.
Die ersten zwei Wochen
- Kurze Spaziergänge an ruhigen Orten zu ruhigen Zeiten.
- Jeden Tag dieselben Zeiten für Futter, Gassi und Schlafen.
- Sanfte Spiele zu Hause und ruhige Kauzeit.
Der erste Monat
- Langsam neue Orte und ein paar ruhige Besucher dazunehmen.
- Mit einfachem Training mit Futterbelohnung beginnen.
- Kurzes Alleinbleiben üben.
Die Monate danach
- Selbstvertrauen und Charakter deines Hundes wachsen.
- Weiter neue Erfahrungen in seinem Tempo sammeln.
- Hol dir Hilfe von einer qualifizierten Trainerin oder einem Trainer, wenn dich etwas beunruhigt.
Was könnte für einen Hund aus einem anderen Land neu sein?
Viele Tierschutzhunde haben noch nie in einem Haus gelebt, deshalb kann sich ganz normaler Haushaltsalltag fremd anfühlen. Dinge, die dir nie auffallen, können für einen ehemaligen Straßen- oder Tierheimhund völlig neu sein.
| Was neu sein kann | Wie du helfen kannst |
|---|---|
| Glatte Böden | Leg Teppiche oder Läufer auf die Wege, die dein Hund am meisten nutzt |
| Haushaltsgeräusche wie Staubsauger oder Waschmaschine | Lass sie laufen, während dein Hund in einem anderen Raum ist, und belohne ruhiges Verhalten mit einem Leckerli |
| Treppen und Aufzüge | Geh langsam, Stufe für Stufe, und trag kleine Hunde anfangs |
| An der Leine gehen | Nutz ein bequemes Geschirr und fang in ruhigen Straßen an |
| Allein zu Hause sein | Fang mit ein paar Minuten an und steigere langsam |
| Stubenreinheit | Geh oft mit deinem Hund raus und lob jeden Erfolg draußen |
Wenn dein Hund beim Alleinbleiben unsicher wirkt, erklärt unser Ratgeber zu Trennungsangst bei Hunden die Anzeichen und wie du das Alleinbleiben aufbaust. Für Stubenreinheit von Grund auf funktionieren die Schritte aus unserem Ratgeber zur Stubenreinheit in der Wohnung auch bei erwachsenen Hunden.
Wie baue ich Vertrauen zu einem Tierschutzhund auf?
Vertrauen wächst aus kleinen, vorhersehbaren, positiven Momenten, die sich jeden Tag wiederholen.
- Lass deinen Hund über Kontakt entscheiden. Setz dich auf den Boden, dreh dich leicht seitlich und lass ihn zu dir kommen. Beug dich nicht über ihn und greif ihm nicht über den Kopf.
- Mach Futter zu einem verbindenden Moment. Füttere ein paar Stücke jeder Mahlzeit aus der Hand oder gib einen Teil der Mahlzeit in einem gefrorenen Beschäftigungsspielzeug.
- Bleib ruhig und konsequent. Bestrafe niemals Angst. Ein Knurren ist die Art deines Hundes zu sagen, dass ihm etwas unangenehm ist, also gib ihm Raum.
- Gib ihm beim Fressen Raum. Füttere deinen Hund an seinem eigenen Platz, weg von anderen Haustieren, und nimm ihm niemals Futter oder Kauartikel weg.
- Setz auf ruhige Beschäftigung. Schnüffeln und Schlecken helfen vielen Hunden, sich zu entspannen. Kurze Schnüffelspaziergänge an ruhigen Orten sind ideal.
Freezbone-Tipp
Gib deinem Tierschutzhund ein gefrorenes, gefülltes Spielzeug in seiner Höhle und lass ihn es in Ruhe genießen. Halte andere Haustiere und Kinder fern, während er frisst. So bekommt dein Hund eine ruhige, lohnende Beschäftigung an einem sicheren Ort, und die Höhle fühlt sich mehr wie seine eigene an.
“Die Pflegehunde in unserem Tierschutzverein LIEBEN sie! Es hilft so sehr gegen Stress!”
Erin P., verifizierter Kauf
Wann sollte ein Tierschutzhund aus dem Ausland zum Tierarzt?
Vereinbare in den ersten Wochen einen Tierarzttermin oder geh sofort, wenn dein Hund krank wirkt. Bring den EU-Heimtierausweis und alle Unterlagen vom Tierschutzverein mit. Dein Tierarzt kann deinen Hund allgemein untersuchen, Impfungen und Parasitenbehandlungen prüfen und dich beraten, ob je nach Herkunftsland bestimmte Tests sinnvoll sind. Stell sicher, dass der Mikrochip deines Hundes auf deinen Namen registriert ist, im richtigen Register für das Land, in dem du lebst. Tipps, wie dieser erste Termin entspannt bleibt, findest du in unserem Ratgeber für stressfreiere Tierarztbesuche.
- Geh zum Tierarzt, wenn dein Hund länger als einen Tag nicht frisst oder wiederholt erbricht oder Durchfall hat.
- Geh zum Tierarzt, wenn dein Hund hustet, humpelt, sehr energielos wirkt oder Hautprobleme hat.
- Hol dir Hilfe von einer qualifizierten Trainerin, einem Trainer oder einer Verhaltensberatung, wenn dein Hund oft knurrt, schnappt oder Futter verteidigt.
Was, wenn sich die ersten Wochen schwer anfühlen?
Es ist normal, sich in den ersten Wochen müde, besorgt oder sogar unsicher über die Entscheidung zu fühlen. Dein Hund lernt eine ganz neue Welt kennen, und du auch. Halte die Tage einfach, freu dich über kleine Schritte wie eine wedelnde Rute beim Frühstück oder das erste entspannte Nickerchen auf dem Sofa, und lass dich von deinem Tierschutzverein unterstützen. Mit der Zeit blühen viele Hunde in einem ruhigen, liebevollen Zuhause richtig auf.
Allgemeine Informationen, keine tierärztliche Beratung. Wenn du dir Sorgen um deinen Hund machst, sprich mit deinem Tierarzt.
Häufig gestellte Fragen
-
Jeder Hund ist anders. Manche entspannen sich nach wenigen Tagen, andere brauchen Wochen oder sogar Monate, um sich ganz zu Hause zu fühlen. Ein ruhiger Start, ein fester Tagesablauf und viel Geduld helfen den meisten Tierschutzhunden, so schnell anzukommen, wie es ihnen möglich ist.
-
Eine Box kann eine hilfreiche, sichere Höhle sein, solange dein Hund sie freiwillig nutzt und nie eingesperrt wird, wenn er Angst hat. Viele Hunde reisen in Boxen in ihr neues Zuhause, manche finden sie deshalb schon beruhigend. Lass die Tür offen, leg eine Decke darüber und leg ein weiches Bett und einen Kauartikel hinein.
-
Fang mit sehr kurzen Spaziergängen an ruhigen Orten zu ruhigen Zeiten an, etwa früh am Morgen. Lass deinen Hund schnüffeln und kehr um, sobald er besorgt wirkt. In den ersten Tagen sind Zeit in einem sicheren Garten und ruhige Spiele drinnen genug Bewegung für einen Hund, der sich noch eingewöhnt.
-
Warte, bis dein Hund ein wenig Zeit zum Ankommen hatte und du seine Körpersprache besser kennst. Stell ihn dann jeweils einem ruhigen, freundlichen Hund vor, auf neutralem Boden und an lockerer Leine. Meide volle Hundewiesen, bis dein Hund mit anderen Hunden deutlich entspannt ist.
-
Dir überallhin zu folgen ist in den ersten Wochen sehr häufig, denn du bist das einzig Vertraute in einer neuen Welt. Leiste deinem Hund anfangs viel ruhige Gesellschaft. Bau dann kurze Zeiten getrennt voneinander auf, mit einem gefrorenen Spielzeug oder Kauartikel in seiner Höhle, damit er lernt, auch allein zu entspannen.
-
Ja. Vereinbare in den ersten Wochen einen Tierarzttermin oder früher, wenn dein Hund krank wirkt. Bring den Heimtierausweis und alle Unterlagen vom Tierschutzverein mit und frag deinen Tierarzt, ob je nach Herkunftsland deines Hundes zusätzliche Tests sinnvoll sind.
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